CO2 - Die unsichtbare Bedrohung
Acht Uhr morgens - zwei vermisste Höhlengänger in der Gustav-Jakobs- Höhle. Schnell die Ausrüstung ins Auto und losgefahren!
Gut dass es nur eine unserer beiden diesjährigen Rettungsübungen ist. Nach dem Eintreffen steige ich mit zwei Kameraden in die Höhle ein, um die beiden Vermissten dann am Einstieg in den Kollektivschacht anzutreffen. Einer der beiden ist am Seil verunglückt, konnte sich jedoch mit Unterstützung des Kollegen aus der misslichen Lage befreien.
Bis auf eine kleine Kopfplatzwunde sind keine äußerlichen Verletzungen erkennbar, der Patient klagt jedoch über stärker werdende Kopfschmerzen. Nun ist Eile geboten, denn dieser Höhlenbereich ist für starke CO2-Konzentrationen bekannt. Die Ausatemluft der Höhlenbesucher sammelt sich am tiefsten Punkt der Höhle, dem Kollektivschacht. Da die Gustav-Jakobs-Höhle mit zu den meistbesuchsten Höhlen der schwäbischen Alb gehört, gibt es also reichlich “Nachschub”.
Der unverletzte Kamerad wird schnellstmöglich in die nahegelegene Halle gebracht und dann der Patient bei seinem Aufstieg in die Halle von den drei Rettern unterstützt.
In der Halle angekommen wird er weiter untersucht, gegen weitere Auskühlung geschützt und mit einem warmen Getränkt verköstigt. Bereits nach wenigen Minuten verbessert sich der Zustand und die Kopfschmerzen verschwinden. Zum Glück kam die Hilfe rechtzeitig, bevor es zu einer CO2-Vergiftung kommen konnte.
Aufgrund eines unklaren Verletzungsmusters und der körperlichen Angegriffenheit entschließt sich der Rettungsleiter zu einem Tragentransport.
Unter Verwendung der flexiblen Trage wird der Patient dann aus der stellenweise engen Höhle gebracht.
Nachsatz: Die Rettungsübung wurde durch ein Gaswarngerät permanent abgesichert um die Beteiligten nicht zu gefährden. Bei unseren Messungen stellten wir einen deutlich erhöhten CO2-Wert bereits am Einstieg in den Kollektivschacht (ca. 5 Höhenmeter unterhalb der Halle) fest. Wir raten daher dringend von einer Befahrung der anschließenden tiefgelegenen Höhlenteile ab! CO2 ist schwerer als Luft, sammelt sich am Boden und verdängt dort den überlebenswichtigen Sauerstoff. In sehr schlecht bewetterten Höhlenteilen kann es zu solch ungünstigen Ansammlungen kommen. In den Höhlen der schwäbischen Alb ist dies jedoch zum Glück extrem selten.
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