Tauchrettung und Kameradenhilfe

Höhlentauch-Symposium der Tauchgruppe Aachprojekt: Tauchrettung und Kameradenhilfe
am 16.02.2008

Am 16.02.2008 nahmen über 30 Höhlentaucher aus Süddeutschland und der Schweiz am Symposium "Tauchrettung und Kameradenhilfe" auf der Insel Reichenau teil. Neben interessierten Höhlentauchforschern waren Mitglieder der Höhlenrettungen Baden-Württemberg, Südbayern, der Malteser Höhlenrettung sowie der Speleo Secours Suisse dabei.

Hans Meier (Speleo Secours Suisse) führte kompetent und abwechslungsreich durch das von der "Höhlentauchgruppe Aachprojekt" unter der Federführung von Rafael Grimm und Joachim Kreiselmaier veranstaltete Symposium.

Vorgestellt wurde die durch die Aachhöhlentaucher entwickelte Leinenverlegetechnik. Handelsübliche 3 x 1,5 mm² Elektrokabel werden kostengünstig und effektiv aus der Originalverpackung heraus verlegt und mit kältefesten Kunststoffdübeln, Schlauchband und Edelstahlringschrauben so befestigt, dass sich eine sehr sichere und haltbare Führungsleine ergibt, die der extremen Strömung in der Aachhöhle seit langem erfolgreich trotzt. Auch dem Taucher bietet sich ein hohes Sicherheitspotential. Die Kabel reissen und verheddern sich nicht und sind auch nach Jahren noch gut zu sehen, da die glatte Oberfläche nicht verschmutzt.

Die eigentliche Kameradenhilfe wurde nur kurz angerissen, da Hans Meier das Publikum für die organisierte Höhlentauchrettung, wie sie in der Schweiz betrieben wird, begeistern konnte und daher in einem gelungenen Vortrag die Methoden seiner Gruppe vorstellte. In der Schweiz sind etwa 35 Höhlentauchretter in der Höhlenrettung organisiert. Einsatzleiter dieser Höhlentauchkolonne ist Hans Meier selbst.

Diskussionsbedarf ergab sich, als Hans Meier die Techniken des Unterwasser-Tragentransportes erklärte. Zum einen scheinen einige technische Details sehr geschickt gelöst: Der Patient wird mit dem Gesicht nach unten in normaler, gewohnter Tauchposition transportiert. Damit wird er durch den Auftrieb des Anzuges in die Trage herein und nicht aus ihr heraus gedrückt, was bequemer ist und die Gesamthöhe der Trage verringert. Auch die Flaschen werden seitlich so fixiert, dass alles sehr flach bleibt. Eine Vergleich anhand von Fotos der SSF und der SSS demonstrierte klar den Vorteil der Schweizer Lösung, insbesondere wenn es um engere Passagen geht.

Die heftig umstrittene Frage war aber: Wann wird ein Patient überhaupt unter Wasser transportiert? Immerhin kam es bei einer Übung in Großbritannien zu einem Zwischenfall, bei der der Patientendarsteller nur dank einer erfolgreichen Reanimation überlebte. Die süddeutschen Höhlenretter waren sich einig darüber, dass ein Unterwassertragentransport überhaupt nur bei schweren Verletzungen, die eine weitgehende Immobilisation erfordern, und bei hohem Zeitdruck in Frage kommt und dass z.B. Rettungsbohrungen vorzuziehen sind. Der Verletzte muss vor einem Tauchgang immer transportfähig und tauchtauglich sein! Wenn hinter dem Siphon ein Trage für den Transport gebraucht wird, kann auch gleich so getaucht werden. Dies unterstützt auch die Schockbekämpfung.

Da in der Schweiz in den sehr langen alpinen Höhlensystemen schnell eine Überdeckung von 1000 m erreicht wird und dazu oft Hochwassergefahr droht, hat die Unterwassertrage allerdings sehr wohl ihre Berechtigung!

An den offiziellen Teil schloss sich statt der geplanten Praxis, die u.a. einer Erkältungswelle zum Opfer fiel, ein reger Austausch zu technischen und organisatorischen Fragen der Höhlentauchrettung an.

Angedacht wurde, ein ganzes Symposium der Praxis zu widmen, was auf großes Interesse stieß. Wir hoffen, dass die Taucher des Aachprojekts als Ausrichter wieder zur Verfügung stehen und es auf diese Weise ein weiteres gelungenes Symposium geben wird.

Unser besonderer Dank gilt den Organisatoren Rafael Grimm, Joachim Kreiselmaier und Hans Meier sowie der Gemeindeverwaltung Reichenau, die den Sitzungsaal des Rathauses zur Verfügung stellte.